es ist unbeschreiblich schmerzhaft, wenn man im warteraum der tierarztpraxis sitzt mit menschen, deren hund ein bisschen hinkt oder die ihre kahlgeschorene und von der narkose noch leicht benommene katze abholen und weiß, dass man selber zwei leblose körper mit nach hause nehmen wird.
schlaft gut, yoshiko und mitsuko.
es sah so aus, als würde alles wieder gut werden. masako lief zwar wackelig, doch sie fraß und trank, kletterte sogar aufs häuschen und erholte sich scheinbar. heute früh jedoch lag sie fast bewegungslos im käfig, und als ich sie heraus nahm, zeigte sie kaum eine reaktion. dafür war blut um ihre augen herum zu sehen, und da wusste ich, dass alles hoffen vergebens war. das einzige, was ich noch für sie tun konnte, war, sie mit ins büro zu nehmen und in der mittagspause zur tierärztin zu fahren.
masako ist heute mittag gegen zwölf in meinen händen eingeschlafen.
ich sehe ihn vor mir mit seinem imkerhut auf dem kopf und der qualmenden und nach vanille riechenden pfeife im mund. ich war maximal ein dreikäsehoch und wollte die biene streicheln. als dankeschön, weil sie den honig für mich gemacht hatte. gestochen hat sie mich trotzdem, aber er nahm mich auf seinen schoß und hat den schmerzenden finger gekühlt, und alles war wieder gut.
ich sehe, wie er mich auf den kirschbaum gehoben und danach wieder von dort runtergeholt hat, weil mein bauch so voll war, dass ich mich nicht mehr bewegen konnte.
ich sehe, wie er die ruten der himbeer- und brombeerbüsche in der kleinen schlucht zur seite gedrückt hat, damit mich ihre dornen nicht verletzen. ich werde nie vergessen, dass er beim pflücken wirklich jedesmal die beeren gezählt hat, die in der alten milchkanne gelandet sind. und ich glaube, dass er sich kein einziges mal verzählt hat.
ich sehe, wie er noch vor sonnenaufgang mit mir durch die wiese gestapft ist, auf der der morgentau lag, und ich kann bei der erinnerung fast fühlen, wie sich danach ein heißes kribbeln in den füßen ausbreitete.
ich sehe die vielen bücher, die er gelesen hat bevor seine augen blind wurden.
ich sehe die werkstatt, in der er täglich stand und habe sehnsucht nach dem geruch von feuer und dem von schwerer hand geschmiedeten stahl.
und ich kann seine kratzige stimme hören, die in aller herrgottsfrüh rief: “aufstehen, frühstücken und dann geht’s in den wald. es riecht nach pilzen.”
am samstag ist mein großvater im stolzen alter von achtundachzig jahren verstorben. er hat mich viele jahre meines lebens begleitet, hat mich gelehrt, die kleinen dinge des lebens zu schätzen, hat mich behütet und geliebt, für mich auf sich selbst verzichtet.
er war der letzte dieser generation. es ist kein einziger mehr von ihnen übrig und ich wünsche mir, dass der tod jetzt endlich weiterzieht und mir die menschen lässt, die ich liebe und noch ein bisschen an meiner seite behalten möchte.
gute reise, großpapa.
und plötzlich ist nichts mehr da, außer der schmerz, der sich anfühlt, als hätte jemand seine hand in mich gestoßen und mein herz herausgerissen. und mit der anderen hand drückt er meine kehle zu.
heute comments off.
und bitte keine mails mit fragen, denn ich könnte sie nicht beantworten.
danke.
… fast die worte. aber nur fast.
DANKE mädels + andi. was für eine schöne überraschung. und ganz ehrlich: darüber freue mich mehr als über ein riesiges geschenk, denn das habt ihr mit ganz viel liebe gemacht

stille heute. kein radio. kein fernseher.

“man muss im leben immer einmal mehr aufstehen, als hinfallen.” das sagt sich so leicht, wenn man aufrecht steht und alles gut ist.
so viel ist in den letzten tagen und wochen passiert, was an meiner aus optimismus gebauten grundmauer gehämmert hat. sie ist einsturzgefährdet, denn es sind jede menge löcher drin. die muss ich stopfen. ich versuch’s mit ein paar schönen gedanken.
sonne * vogelgezwitscher * schokoeis zum frühstück * der duft von kaffee * bunte blumen vorm haus * liebe …
du hast gekämpft bis zum schluss. so viele menschen haben versucht, dir mit allen zur verfügung stehenden mitteln zu helfen.
umsonst.
der tod hat dich mit sich genommen.
zurück bleibt eine lücke, die niemand zu füllen vermag.
danke, dass wir mit dir lachen und weinen, glücklich sein und streiten und einen teil unseres weges gehen durften.
… das gefühl, das mein flugzeug vom kurs abkommt. ich könnte gegensteuern, wenn ich den mut und die kraft dazu hätte. es fehlt aber beides. und ich weiß auch nicht, in welche richtung ich eigentlich fliegen soll, damit es besser wird. scheiß turbulenzen.
bei allem, was ich tue, versuche ich das beste zu geben. halbe sachen mag ich nämlich nicht. um so schlimmer ist es dann, wenn ich stunden- und tagelang etwas recherchiert, verglichen, geplant, verworfen, neu geplant und versucht habe, möglichst allen gerecht zu werden und dabei trotzdem das ziel zu erreichen … und am ende nichts vorwärts geht und mir entweder wenn und aber und vielleicht und vielleicht auch nicht um die ohren gehauen wird oder informationen ganz einfach mal vorenthalten werden. ist es wirklich so schwer, eine öffentliche und klare stellung zu beziehen? ich glaube nicht. aber noch weniger schwer ist es eben, mir in den arsch zu treten. genügend angriffsfläche ist ja vorhanden.