der grünten - wächter des allgäus

achtung … informationsflut. viel text, viele fotos. ich bitte um geduld und nachsicht :)
seit fast zwanzig jahren wohne ich in kempten und war bis gestern noch nie auf dem grünten, obwohl ich den wächter des allgäus schon so lange mal hautnah erleben wollte. das wetter zeigte sich frühmorgens von seiner allerprächtigsten seite, also fuhr ich mit den kids nach kranzegg, stellte das auto auf dem parkplatz des grüntenliftes ab und begann mit den beiden den aufstieg. ich hatte mich natürlich vorher im www schlau gemacht, denn es gibt viele wege zum gipfel, und ich wollte nicht den schwersten nehmen. irgendwie wurde aber nichts daraus. zunächst liefen wir bequem auf einer teerstraße, die allerdings nach ein paar hundert metern abrupt endete. ein kleiner wegweiser - beschriftet mit “wanderweg” - war auf eine wiese gerichtet, auf der man mit viel phantasie einen trampelpfad erkennen konnte. da hinter uns ein älteres paar gelaufen kam, warteten wir auf die beiden und fragten, ob man so tatsächlich zum gipfel kommt. sie bejahten. na gut, wir sind also in diese richtung marschiert und gelangten in einen märchenhaften wald, durch den sich an einigen stellen die sonnenstrahlen bohrten. (bissel unscharf, sorry, deswegen auch nur im kleinformat. alle anderen bilder werden bei klick BIG.)

mehrmals entdeckten wir am weg aufgestellte tafeln, auf denen witze erzählt wurden. aha, wir befanden uns also auf dem sogenannten ”witzigen wanderweg”. eigentlich wollten wir den gar nicht nehmen, aber zurücklaufen fiel aus. wir waren zuversichtlich, den gipfel zu erreichen, marschierten nach verlassen des waldes bis zur nächsten weggabelung und wandten uns dort wieder in die richtung, in der das ziel liegen musste. zu sehen war von diesem allerdings nichts. es ging wieder über eine wiese, diesmal gänzlich ohne pfad. es pfatschte und schmatzte unter unseren füßen, denn der boden hatte sich mit dem vielen regen der vorherigen tage vollgesaugt. schließlich erreichten wir ein haus, eine alpe, was auch immer. keine menschen. kein weg. vor uns ein sehr steiler berghang. wir sanken mittelmäßig erschöpft und ein bisschen mutlos auf eine bank und pausierten erst mal. nach einer weile näherte sich ein mann aus der richtung, aus der auch wir gekommen waren, und kraxelte den hang nach oben. uns wurde klar, dass wir ebenfalls dort hoch müssen, dass das er weg zum gipfel ist. also nahmen wir uns diesen hang vor und dachten halb so schlimm, sein ende ist ja in sichtbarer nähe. falsch gedacht, denn als wir am ende ankamen, bot sich hinter uns zwar ein wundervoller blick ins tal …

 

… vor uns erstreckte sich aber noch mal so ein sehr steiler berghang wie der, wir gerade bewältigt hatten. das tochterkind, das bereits beim ersten stück kaum noch kraft hatte und immer wieder einige meter zurückfiel, tat mir furchtbar leid, und ich bereitete das männerkind flüsternd darauf vor, dass dies eventuell das ende unseres ausflugs ist. zum glück stießen ein paar wandersleut zu uns, die uns versicherten, dass dies tatsächlich die letzte hürde wäre und es dann relativ eben bis zur grüntenhütte ginge. mit diesem motivationsschub stapften wir nach einer kurzen verschnaufpause weiter und wurden schließlich hiermit belohnt.

hochvogel, kleiner daumen und großer daumen

am dienstag hatte es in den alpen das erste mal geschneit, und die weiß funkelnden berge waren schon auf der fahrt nach kranzegg zu sehen. was hatten wir uns darauf gefreut, ihnen näher zu kommen. jetzt war ein gutes stück geschafft. wir befanden uns in 1477 metern höhe bei der grüntenhütte.

unser ziel hatten wir aber noch nicht erreicht, denn eigentlich wollten wir ja auf den gipfel. ich stellte es den kids frei, ob wir uns den aufstieg wirklich antun sollen oder nicht. sie wollten hoch. ich auch. wenn ihr das obere bild im großformat anschaut, dann ist der weg, der einen auf 1738 meter höhe führt, einigermaßen zu erahnen. wie anstrengend er tatsächlich ist … fotos davon hab ich keine gemacht. meine heutigen recherchen im www führten mich allerdings zu einer seite mit der aussage: “Noch eine knappe Stunde nimmt der Weg von der Grüntenhütte bis zum Gipfel mit dem Jägerdenkmal in Anspruch. Wer nicht bergsicher ist, sollte hier nicht bis ganz oben weiter gehen.” der weg war teilweise extrem steil, er war steinig, und er bot nur auf den letzten paar metern die möglichkeit, sich an einem seil festzuhalten. davor gab es eine stelle, an der ich stehen bleiben musste, weil ich mir nicht sicher war, ob ich das schaffe, vor allem ob die kinder das hinkriegen. beim blick nach unten war mein erster gedanke da kommen wir nicht mehr heil runter und mein zweiter bitte schickt einen hubschrauber und holt uns ab. der weg bot allerdings auch so bezaubernde kleinigkeiten wie den fransenenzian …

… und schlussendlich, als wir wirklich ganz oben waren, einen ausblick, der unsere herzen zum überlaufen brachte.

das jägerdenkmal, das zum gedenken an die toten des jägerregiments 3 im ersten weltkrieg auf dem gipfel errichtet wurde, habe ich glattweg vergessen zu fotografieren. aber den sendemast des bayrischen rundfunks kann ich euch zeigen.

dort wollte aber niemand von uns hin. pause, die berge genießen, in die stille hineinlauschen, etwas essen, etwas trinken, kraft für den abstieg sammeln. und der ging dann besser, als wir dachten. wir ließen uns zeit, achteten darauf, wo wir hintreten, blickten immer wieder fasziniert zu den bepuderzuckerten bergen, hier “a bisserl” rangezoomt.

bei der grüntenhütte wurde noch mal richtig rast gemacht, mit eis und milchkaffee. die wirtin, eine unglaublich quirlige und nette frau, bestätigte uns, dass die teerstraße neben der hütte weiter unten abzweigt und uns nach kranzegg bringt. also marschierten wir los, nahmen die strapazen des abstiegs (jawohl auch nach unten ist es anstrengend, vor allem für die kniegelenke) weiter auf uns, plauderten ein wenig mit dem braunvieh …

…  und sagten dem berg “auf wiedersehen”. und wiedersehen werden wir ihn. nicht nur von weitem, denn es gibt, wie anfangs schon erwähnt, viele wege, die nach oben führen …

Geschrieben von emily am 2. September 2010 | Abgelegt unter gelebt, geknipst |

5 Kommentare zu “der grünten - wächter des allgäus”

  1. Arcticaam 3. September 2010 um 00:27 Link zum Kommentar

    Der Ausblick ist ja wirklich sehr schön! Mir wäre es wohl denke ich zu anstrengend (ich mag keine Berge), Respekt, dass deine Kinder da bis hinauf gekraxelt sind!

  2. Legolasam 3. September 2010 um 11:41 Link zum Kommentar

    Respekt. Vor allem an die Kids. Ich bin diese Tour vor ein paar Wochen auch gelatscht und ich war nachher fertig mit der Welt.

  3. Tanyaam 3. September 2010 um 12:27 Link zum Kommentar

    Fantastisch!
    Ich bin ja eher so überhaupt nicht der Berg- sondern der totale Flachland, Strand und Meertyp, aber die Fotos sind toll.
    Die Naturgewalt tritt in den Vordergrund und … ach, einfach fein.

    Tanya, lauf- und wanderfaul, trotzdem begeistert

  4. emilyam 5. September 2010 um 10:21 Link zum Kommentar

    die respektbekundungen habe ich an meine teenies weitergereicht, was ihnen ein stolzes grinsen in die gesichter zauberte :)
    der berg ist fürwahr eine herausforderung, vor allem das letzte stück zum gipfel. hat man es aber bis zur grüntenhütte geschafft, ist man bereits so mit glückshormonen überschwemmt, dass man einfach ganz nach oben will. und ist man wieder unten im tal, denkt man trotz schmerzendem körper bereits an die nächste tour …

  5. Bernie W.am 3. Februar 2011 um 17:54 Link zum Kommentar

    Hallo, ich finde den Text kurzweilig lesbar und die Bilder echt schön. Kompliment. Auch das Layout der Seite gefällt mir übrigens, z.B. der große Zeilenabstand ist angenehm für’s Auge beim Lesen, finde ich.

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