gestern hat sich der sohn ja reichlich seltsam benommen. im positiven sinne. nun könnte ich euch natürlich erzählen, ob die einhundertachtziggraddrehung von dauer war oder der kleine mann wieder zu seinen alten verhaltensmustern zurückgekehrt ist. stattdessen möchte ich aber von euch wissen, was ihr glaubt. wie ist der heutige tag gelaufen? gut oder schlecht oder irgendwas dazwischen?
ich stand in der küche und widmete mich hingebungsvoll verschmutzten tellern, tassen, schüsseln und so weiter. als sich der sohn zu mir gesellte, ein geschirrtuch nahm und alles abtrocknete, hatte ich das gefühl, dass mit ihm etwas nicht in ordnung sein kann. freiwillig und ganz ohne androhung von sanktionen tut das kind im haushalt nämlich gar nichts. ein komisches gefühl verschaffte sich platz in mir. und es sollte noch schlimmer kommen. er verspürte ein bisschen hunger und machte sich etwas zu essen. doch anders als sonst verzog er sich damit nicht ins wohnzimmer, um dort rumzukrümeln und unschöne spuren zu hinterlassen, sondern speiste in der küche. angst machte sich in mir breit. war das wirklich mein sohn, der mit vorbildlicher körperhaltung am tisch saß? woher kam dieser plötzliche sinneswandel? mit sorgenvollem gesicht machte ich mich auf den weg, um den halben liter kaffee, den ich nachmittags konsumiert hatte, zum stillen örtchen zu bringen. der anblick, der sich mir dort bot, ließ mich an wahnvorstellungen glauben, denn die klobrille war hochgeklappt. das gab es bei uns noch nie. was habe ich schon geschimpft und gezetert über die schweinerei, die durch schlechtes zielen und noch schlechteres treffen angerichtet wurde. und heute klappte er einfach die klobrille hoch, als wäre dieser vorgang das selbstverständlichste der welt. da war es nicht mal schlimm, dass sie in der position blieb. tja, und als ob das alles noch nicht überraschend genug gewesen wäre, hat er dann im wohnzimmer zum ersten mal, zum wirklich allerersten mal, seinen ganzen krempel vom tisch entfernt und decke und kissen ordentlich auf die couch gelegt. inzwischen glaubte ich an einen tagtraum, aus dem ich sicher gleich erwachen würde. als er mir vorm schlafengehen dann noch mitteilte, er wolle morgen sein zimmer aufräumen und in den ferien jeden tag für den jahrgangsstufentest lernen, hätte man mich ohne weiteres in so ein hübsches jäckchen mit nach hinten verknoteten ärmeln stecken können.
inzwischen glaube ich nicht mehr, dass ich verrückt bin. ich vermute eher, dass außerirdische im hirn meines sohnes in den regionen vernunft und hilfbereitschaft eine neue software installiert haben. es handelt sich dabei hoffentlich nicht nur um eine mit bugs behaftete betaversion, sondern um die fehlerfreie und offiziell freigegebene endlösung. einen gelegentlichen programmabsturz mit bluescreen könnte ich dann sogar akzeptieren.
immer dann, wenn ich die seite der magentafraktion öffne um mein postfach zu leeren, klicke ich mich auch ein bisschen durch die nachrichten. dabei stolperte ich heute über den artikel “Das verdienen die Deutschen”. ich haderte ein wenig mit mir, ob ich das wirklich lesen soll und tat es schließlich. der mensch ist nun mal neugierig. hätte ich’s nur sein lassen. wenn ich denjenigen zwischen die finger kriege, der diese statistik abgesegnet hat, dann wird er sich wünschen, etwas vernünftiges gelernt zu haben. wie kann man so etwas nur als glaubwürdig durchgehen lassen? wie kann man nur auf solche zahlen kommen? und warum hat mich eigentlich keiner gefragt? nach dieser liste verdient eine bürohilfskraft mehr als ich. meine berufsgruppe wird zwar nicht aufgeführt, aber wenn das jemand liest, der mich kennt und mich dann zu den datenverarbeitungsfachkräften packt, was ja naheliegend ist und was ich durch meine erste ausbildung sogar bin, dann wird der zwangsläufig glauben, dass ich im geld schwimme und ihn belüge, wenn ich erzähle, dass es in meinem haushalt nur die billigen und hübsch in folie verpackten sachen vom discounter gibt. kein frisches bäckerbrot, keine frische wurst vom metzger, kein unter einhaltung biologischer gesichtspunkte angebautes obst und gemüse vom wochenmarkt. und die klamotten, die meine kinder und ich tragen, sind größtenteils second hand, weil neuware kaum noch drin ist …
solche statistiken machen mich stinkwütend. echt.
es gibt mich noch, auch wenn es zwei tage lang still war. die liebe zeit, ihr kennt das ja …
bevor ich mich jetzt gleich ins bett fallen lasse, erzähle ich euch aber noch schnell, was am wochenende los war.
freitag abend hieß es: ab auf den rathausplatz. loaded, eine band aus der gegend, hat gespielt. und weil ich die kenne und weiß, dass die jungs für eine freizeittruppe ziemlich gut sind und weil außerdem wunderschönes wetter war, stand einem abend an der frischen luft nichts im weg. allerdings sah er diesmal etwas anders aus als sonst. ich hatte nämlich die kinder im schlepptau. es war ihr erstes konzert, und die beiden haben sich schon ziemlich darüber gefreut, ihre mama begleiten zu dürfen. bis kurz vor elf hielten sie auch prächtig durch und werden von mir deshalb als zukunftstauglich eingestuft.
heute beziehungsweise gestern, denn immerhin ist schon sonntag, gab es dann ein event der ganz besonderen art. im foyer der bigBOX fand die ibiza summer night statt. eingeladen hatte dazu eine ortsansässige bar. es gab eine bade- und dessousmodenschau mit wirklich hübschen stoffteilchen und mädels, denen ich am liebsten eine halbe tonne leberkässemmeln auf den laufsteg geworfen hätte, so abgemagert sahen sie aus. außerdem waren diverse DJs zugegen, die normalerweise in größeren städten beheimatet sind und die uns provinzlern mal gezeigt haben, was eine richtige party ist. zum feiern kam ich allerdings nicht, denn ich war zusammen mit der alex im dienste unserer heimatzeitung unterwegs, damit am montag auch ein paar schöne fotos ins www und aufs papier kommen. trotzdem fand ich den abend sehr geschmeidig und verleihe ihm das prädikat “wiederholenswert”. nachdem ich diesmal als chauffeur auserwählt wurde und demzufolge dem alkohol eine absage erteilen musste, werde ich mir jetzt einen kleinen martini einschenken und ein buch unter den arm klemmen und mit diesen utensilien ins schlafgemach aufbrechen. dort werde ich das getränk genießen, ein bisschen lesen und hoffen, dass ich irgendwann in der lage bin einzuschlafen. momentan bin ich auf jeden fall noch viel zu aufgedreht, um überhaupt an eine pause denken zu können.
ihr hoppelhäschen da draußen, ich wünsche euch einen vergnügten und erholsamen sonntag mit sonnenschein und guter laune und lecker nutella auf der frühstückssemmel. eure emily
eine woche an allerheiligen, zwei wochen über den jahreswechsel, eine woche zur faschingszeit, zwei wochen zu ostern, zwei wochen zu pfingsten, sechs wochen im sommer. zusammengerechnet sind das vierzehn wochen. vierzehn wochen ferien. man sollte meinen, dass das zur erholung des geistes reicht. aber zum schuljahresende ist es immer das gleiche. da stehen fast nur noch spannung, spiel und überraschung auf dem programm. lernen können wir ja später. beispielsweise dann, wenn die pisastudie wieder mal zeigt, dass wir von den wirklich wichtigen dingen des lebens eindeutig zu wenig mitgekriegt haben und das heranwachsende volk unter zunehmendem mangel an intelligenz leidet. aber morgen geht es erst mal ins kino. am montag wird, schönes wetter vorausgesetzt, das städtische bad besucht. dienstag kommt eine tante mit ihrem dressierten hund. und mittwoch schaut man sich den rettungshubschrauber an. letzteres ist ja durchaus sinnvoll. aber der rest ähnelt mehr einem freizeitprogramm als schulischer pflicht.
ihr lieben lehrer/innen, man kann’s auch übertreiben. ihr braucht den kindern keinen sanften übergang in die ferien bereiten. nehmt die kleinen einfach bis zum letzten tag richtig ran, damit sie sich die auszeit wirklich verdient haben. ich kann im büro schließlich auch nicht eine woche vorm urlaub die füße auf den schreibtisch legen und pizza essend und rotwein schlürfend pornos anschauen.
dann fahren wir nach wien. es wurde also zeit, die fahrkarte zu besorgen. als frühbucher kriegt man die schließlich günstiger. natürlich hatte ich online schon recherchiert, aber so richtig befriedigend waren die ergebnisse per www nicht. mir erschien das jedenfalls zu zeit- und nervenraubend. heute bin ich dann mal zum bahnhof gefahren, um das dortige personal zu testen. man hört ja immer so viel negatives von denen. aber siehe da, ich lächelte den herrn auskunftgeber freundlich an und erzählte ihm von meinen wünschen, und er zeigte sich unglaublich nett und schnell und hat uns ein günstiges angebot rausgesucht und gleich noch familienplatzreservierungen inklusive tisch vorgenommen. alles in allem kostet das für hin- und rückfahrt einhundertvierunddreißig euronen. bei den derzeitigen spritpreisen und der aussicht, dass sie zur ferienzeit weiter steigen werden, komme ich mit der bahn also ganz sicher günstiger weg. und die kinder fahren sowieso gern mit dem zug. ich übrigens auch.
hach, ich freue mich ja so auf wien. der erste urlaub seit jahren ist das. was bin ich aufgeregt

vorhin hat mich der erzeuger meiner kinder angerufen und darum gebeten, ihm steuerliche lebensbescheinigungen von seinen sprösslingen zu schicken. die meisten von euch werden das nicht wissen, aber bei einer trennung wird der nachwuchs einfach zwischen den eltern aufgeteilt. da fragt niemand nach, ob das für die betroffenen so in ordnung ist oder nicht. halbe halbe und fertig. auf meiner lohnsteuerkarte steht demzufolge nur ein kind drauf. unterm strich bringt das für mich keinen allzu großen finanziellen verlust mit sich. deshalb nahm ich bisher auch davon abstand, einen nachmittag in die bürokratischen tiefen des einwohnermeldeamtes abzutauchen, um das zweite kind ebenfalls für mich zu vereinnahmen, was auf jeden fall möglich ist. doch nun müsste ich sowieso dort hin, weil die steuerlichen lebensbescheinigungen nach drei jahren abgelaufen sind und der andere elternteil natürlich weiterhin in den genuss eines steuerlich geltend zu machenden kindes kommen möchte. allerdings bin ich der meinung, dass ihm die über den daumen gepeilten zehn euronen monatlich noch nie zustanden. schließlich zahlt er keinen unterhalt. dass er das tun würde, wenn er könnte, ist eine andere geschichte. fakt ist, dass er nicht zahlt und ich alles, alles, wirklich ALLES alleine finanzieren muss.
und nun möchte ich von euch wissen, wie ihr das seht. bin ich ein egoistischer unmensch, wenn ich beide kinder auf meiner lohnsteuerkarte eintragen lasse? vor allem die meinung meiner männlichen gäste würde mich dazu interessieren, denn oftmals werden alleinerziehende frauen ja als geldgierige wesen dargestellt, die ihrem ex sogar die haut abziehen würden, um diese zu verhökern.
farbenfroh. das ist doch mal ein einfaches thema. üppig blühende blumen, ein knallgrüner porsche, der obst- und gemüsestand auf dem wochenmarkt, bunte tücher, bunte stifte, das blaue haus … hm, von wegen einfach. es gibt zu viele farbenfrohe dinge. und sie sind alle zu trivial.
was im ersten moment so simpel erschien, das entpuppte sich als überaus schwierig. doch dann stand ich wie fast jeden tag an dieser roten ampel und betrachtete zum x-ten mal das, was auf der anderen straßenseite in den schaufenstern zu sehen war.
mensch emi, da hättest du aber auch gleich drauf kommen können. das ist das einzig richtige für dieses thema. farbenfroh bis ganz zum schluss. das musst du fotografieren.
freunde, als ich das erste mal am laden von alfred opiolka vorbei fuhr, hätte ich beinahe eine vollbremsung gemacht. ich konnte nicht glauben, was ich da sah und war fasziniert, begeistert, hingerissen. alles zusammen. und eine prächtige gänsehaut hatte ich außerdem. wenn es um den tod geht, dann kriege ich die immer. allerdings ist mir der tod noch nie zuvor in so einer form begegnet. der alfred verkauft nämlich keine düsteren särge und urnen, sondern bemalt sie ganz wunderschön in freundlichen farben, mit blumen und gräsern und schmetterlingen. “und jedem ende wohnt ein neuer anfang inne.” das ist sein motto, und das bringt er mit seinen meisterwerken auf eine ganz besonders liebevolle art und weise zum ausdruck.
ich war heute in seinem sargladen und habe ein paar minuten mit ihm geplaudert. er strahlte eine unglaubliche wärme und ruhe aus, der alfred. ein sehr netter und angenehmer mensch ist das. und er hatte auch nichts dagegen, dass ich hier ein foto mit meiner interpretation des begriffes farbenfroh veröffentliche. an dieser stelle möchte ich mich noch mal bei ihm bedanken für die zeit, die er sich genommen hat und dafür, dass er den weg von hier nach dort so außergewöhnlich und mit so viel liebe gestaltet. und euch möchte ich höflichst darum bitten, seine seite beziehungsweise die ausstellung mal zu besuchen und euch ganz in ruhe anzuschauen, wie schön man auf die letzte reise gehen kann. die särge, urnen und kreuze kann man übrigens auch nach eigenen wünschen bemalen lassen und dann zu hause aufbewahren, bis sie gebraucht werden.
und hier nun mein foto zum thema farbenfroh.
(klick macht BIG)

der regen tröpfelte sanft herab, und die luft verströmte eine überaus angenehme frische. das wollte ich genießen und machte es mir deshalb am nachmittag auf dem balkon inmitten von grünen blättern und bunten blüten mit einer tasse kaffee gemütlich. ich gab mich gerade diversen tagträumereien hin, als meine blicke das hibiscusbäumchen streiften. und da entdeckte ich sie. rote und grüne blattläuse feierten auf ihm eine ausgelassene party und schlüften einen cocktail nach dem anderen. ich kramte ein bisschen in meinem hirn herum, konnte aber keinerlei eintrag finden, der darauf hindeutete, dass ich diese damen und herren eingeladen hatte. ein unverschämtes pack ist das. nun denn, ich lasse sie jetzt noch ein wenig in dem glauben, sie wären willkommene gäste. es dauert erfahrungsgemäß allerdings nicht lange, bis die pflanze über ihre wurzeln das gift unters heiß begehrte getränk mischt. und obwohl ich mich zu den sehr tierlieben menschen zähle, hoffe ich in diesem fall, dass die trinkfreudigen schmarotzer ganz furchtbar leiden müssen, bevor sie tot vom bäumchen fallen.
ein schnappschuss sollte es also diese woche sein. draufdrücken, hochladen, fertig …
ganz so einfach war es dann doch nicht, denn mit meinen fotos möchte ich ganz gerne etwas mitteilen, auch wenn es sich dabei nur um eine einfachmalsogemachtaufnahme handelt. mir ist zunächst überhaupt nichts eingefallen. heute nachmittag, als ich an einer roten ampel wartete, da fiel mein blick allerdings wieder auf die undichte stelle im corsa. nach der sintflut des gestrigen tages sieht sie ganz besonders prächtig aus. und da habe ich schnell die kamera aus der tasche gekramt und gerade noch rechtzeitig vorm nächsten grünerwirdsnicht den auslöser betätigt. es ist also ein echter schnappschuss geworden. ein foto, für das ich absolut nichts hergerichtet hatte, das anschließend in keinster weise bearbeitet wurde und mit dem ich folgendes mitteilen möchte: herr, lass geld herabregnen. im august sind TÜV, AU und sicher mehr als nur die reparatur dieses lecks fällig.
(klick macht BIG, falls ihr das wirklich noch genauer sehen wollt.)
