ich hatte dem sohn gestern mit sehr viel nachdruck in der stimme gesagt, dass ich von montag bis freitag in der zeit zwischen halb acht uhr morgens und vier uhr nachmittags keine anrufe mehr von ihm bekommen möchte. als ich heute in dieser sperrzeit die altbekannte nummer im display sah, wollte ich ihm schon eine standpauke halten. doch seine worte, dass etwas ganz furchtbares passiert wäre, hielten mich davon ab. die hiobsbotschaft: als er von der schule nach hause kam, waren die käfigtüren offen und zwei pelznasen verschwunden. ach du scheiße!!! dachte ich mir. da liegen kilometerweise kabel. wenn die da reinbeißen, überleben sie das vielleicht nicht. ich muss SOFORT etwas unternehmen. rein ins auto. ab nach hause. proxy und naoko saßen im käfig. mitsuko und yoshiko waren aus etwa siebig zentimetern höhe todesmutig auf den boden gesprungen und hatten sich verkrochen. normalerweise schrecken ratten vor solchen distanzen zurück. bis zu dreißig zentimeter sind theoretisch kein problem. die praxis bewies heute etwas anderes. nun denn, die beiden ausreißer mussten irgendwie gefangen werden. der sohn hatte sie bereits gesucht, gefunden und aufgepasst, dass sie die location nicht wechseln. mitsuko saß unter dem alten schreibtisch, auf dem der käfig steht. hinter der kiste mit futter und einstreu hatte sie sich verschanzt. es war kein problem, das kleine, völlig verstörte ding einzusammeln. sie hatte eiskalte füßchen und zitterte wie espenlaub. yoshiko war ein etwas komplizierterer fall, denn sie saß hinterm büroschrank. zum glück hat der an der rückwand eine große öffnung für die kabel. ich versperrte ihr von einer seite den fluchtweg, während der sohn in den schrank kroch und von der anderen seite nach ihr griff. nach ein paar versuchen erwischte er ihren schwanz und zog sie mit aller gewalt aus dem versteck, weil ich ihm gesagt hatte, dass er ruhig fest zupacken soll. auch yoshiko war eiskalt. hoffentlich gibt das keinen schnupfen …
ungeklärt ist leider die frage, warum die käfigtüren offen waren. die tochter ist sehr gewissenhaft und zuverlässig und versicherte mir, dass sie diese nach dem servieren des frühstücks geschlossen hat. der sohn sagte ebenfalls, dass die türen beim verlassen der hütte zu waren. und bis jetzt hat es noch keine ratte geschafft, sie zu öffnen. haben wir einen kobold, der uns ärgern will? oder sind unsere kleinen nager ausbruchskünstler?
da hast du dir bestimmt einen Ausbrecherkönig ins (Ratten)Nest geholt. Ganz, ganz früher hatte ich mal Goldhamster, die sind auch ständig entwischt, haben Schränke und Gardinen gefressen.
einen gardinen zerfressenden hamster hatte ich auch mal. böse geschichte.
nach einer ersten bestandsaufnahme kann ich zumindest sagen, dass meine beiden ausbrecher anscheinend nichts demoliert haben.