das foto dieser fabrikruine bei reneS hat mich dazu veranlasst, eine kleine zeitreise anzutreten. im osten des landes gibt es immer noch sehr viele dieser ziegelbauten, die als zeugen der vergangenheit ihrem zerfall entgegen sehen. ein großer teil von ihnen wurde allerdings auch schon abgerissen. dem gebäude, in dem ich fünf jahre lang meiner pflicht nachging, ist das beispielsweise passiert. leider habe ich es versäumt, vorher fotos zu machen. beim suchen im www fand ich allerdings einige. es ist alles andere als schön, was sich dem betrachter da bietet, denn wer die fabriken von früher kennt, der hatte damals wahrscheinlich so wie ich den eindruck, dass sie für die ewigkeit erbaut wurden.
hier gibt es welche vom werk II der ZWEIGA, das in der greizer straße in leubnitz stand. besonders interessant sind für mich die bilder 9303 und 9368. auf dem ersten ist die tür zu sehen, hinter der ich ab neunzehnhundertfünfundachtzig einen teil meiner ausbildung absolvierte und bis neunzehnhundertneunzig gearbeitet habe, auf dem zweiten der gebäudekomplex, in dem unter anderem das rechenzentrum untergebracht war. es sind die beiden fenster im ersten stock.
in erinnerungen schwelgend habe ich noch ein bisschen weiter gesucht und bin schließlich hier gelandet. vor allem die jüngeren unter Ihnen sollten sich die monster, mit denen damals daten verarbeitet wurden, ruhig mal anschauen. im bereich technik sind unter zubehör (extern) einige geräte zu finden, die wir auch im einsatz hatten. das MBE4000 beispielsweise. ich könnte wetten, dass ich immer noch weiß, wie man dort ein magnetband einlegt. und an den ohrenbetäubenden lärm, den ein paralleldrucker erzeugt hat, erinnere ich mich ebenfalls noch. was waren das für spaßige zeiten, als die daten auf lochbändern erfasst wurden. und was habe ich mir beim aufwickeln der durchlöcherten streifen an den scharfen papierkanten die finger aufgeschnitten. vor silvester und fasching lief bei uns übrigens die konfettiproduktion immer auf hochtouren. neues lochband rein, ein magnetband auf dem knopf für die 8-kanal-korrekturlochung platziert und dann gewartet, bis der auffangbehälter voll ist. weiß, gelb, hellgrün, pink und blau gab es. und das zeug war so was von fies. das fand man jahre später noch überall.
hach kinder, so ein gedanklicher ausflug in die vergangenheit kann wirklich schön sein. und falls das hier jemand lesen sollte, der zufälligerweise noch weitere fotos dieser inzwischen nicht mehr existenten fabrik hat, bitte unbedingt bei mir melden!!!
Oije! Neunzehnhundertfünfundachtzig habe ich mir meinen ersten Rechner *hüstel* gekauft. Ok! War ein ZX81 von Sinclair.
Aber bereits zwei Jahre später folgte mein erster (richtiger) PC! (ZX Spectrum)*doppelhüstel*. Ein wenig später dann der Schneider/Amstrad CPC 6128. Und in der Berufsschule habe ich im Februar 1989 auf einem Wang mit Unix VI-Editor meinen ersten Liebesbrief auf einem Paralleldrucker ausgegeben. Hach!?!?!!!!!! Was war die Zeit mit Kopplern auf 300baud Basis doch schön.
Der Rechner in der Firma, wo ich meinen Kaufmann gelernt hatte, war in einem separaten Raum untergebracht. Zusammen mit dem Tresor und Klimaanlage.
PS.: Die 8″ IBM Disketten mit dem Betriebssystem habe ich heute noch. Nostalgie eben
Ich glaube, wir werden es noch bitter bereuen, dass wir die alten Sachen nicht erhalten, sondern immer plattmachen müssen. Unseren Kindern hinterlassen wir nur hässliche graue Industriebauten ohne Charme und Ansätze von Architektur. Billig und schnell ist nicht immer besser.
Man schaue ich einmal die Katastrophen in den Innenstädten an, was wir als Stadthallen, Opern oder Museen teilweise vorgesetzt bekommen. Nicht zu schweigen von unsympatischen Supermärkten und Glaskaufhäusern, die in 20 Jahren wieder verschwunden sind.
Es tut weh zu sehen, wie Geschichte verschwindet.
@e-leo: computer hatten wir am ende auch, welche von robotron, mit denen daten per diskette zum großrechner übertragen wurden, und welche von schneider zur datenerfassung und für die anwendungsentwickler. alle programme, die bei uns liefen, waren nämlich hausgemacht.
@reneS: solche gebäude wurden auch schon in wohnparks verwandelt. allerdings hat man dabei durch putz und farbe an der fassade die optik komplett versaut.
ich finde es auch jammerschade, dass so viele fabriken, die oftmals sehr schöne geschichten zu erzählen haben, architektonischen katastrophen weichen müssen. machen Sie ruhig öfter mal fotos von solch alten bauten. wer weiß, wie lange sie noch stehen.
Hey Emily,
also irgendwann bin ich schonmal über Dein Blog gestolpert, weiss aber grad nicht mehr, wann das war und wieso. Möglicherweise aber wegen “Emily Strange”, was für mich noch eine andere Bedeutung hat.
Ich bin der Autor der von Dir oben verlinkten Fotogallerie von der Zweiga Werk II. Wenn Du bis 1990 dort gearbeitet hast, sollten wir uns sogar kennen, oder zumindest mal über den Weg gelaufen sein, denn meine Lehre hab ich ab ‘neunzehnhundertsechsundachtzig’
auch dort im Betriebsteil gemacht, allerdings nicht in der Datenverarbeitung und war bis 1995 in einer Nachfolgefirma im Gelände beschäftigt.
Es gibt noch ein paar weitere Fotos von einem ehemaligen Lehrling in der Fotocommunity:
http://tinyurl.com/r2uate
http://tinyurl.com/oxq2hb usw.
insbesondere aus dem Bereich der Kantine, die bei meinem Besuch schon weg war. Zum Thema Kantine hab ich aber auch selber noch etwas, aus dem Veranstaltungsraum im Obergeschoss:
http://www.ipernity.com/doc/elexx/121661
Etwas später war dann noch die Sprengung des Schornsteins ein trauriger Höhepunkt: http://www.ipernity.com/doc/elexx/121669
In den letzten Jahren hab ich dann immer mal wieder das Werk I in Rüppertsgrün besucht - das soll ja eventuell dieses Jahr auch weg. Fotos gibts ebenfalls in meiner Gallerie.
Also, wo auch immer Du jetzt bist, noch in Werdau/Umgebung oder weit weg und was Du jetzt machst:
Viele Grüße,
Steffen