oliver maria schmitt - anarchoshnitzel schrieen sie
die geschichte um einen haufen leute, die nach etlichen jahren ihrer einstmals erfolglosen punkband wieder leben einhauchen wollen und dafür quer durch die republik und voller vorurteile durch die neuen bundesländer fahren, ist ungewöhnlich und teilweise so haarsträubend, dass ich mir das geschriebene beim lesen lieber nicht bildlich vorstellen wollte.
“Der bullige Mann hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten, denn der Teppich, auf dem er stand, bewegte sich. Doch das war kein Teppich. Das war Kotze.
Schreie drangen hohl aus dem Betongang, die Flügeltüren waren augesprungen, weil ein fetter Schwall von Erbrochenem und Unverdaulichem geradewegs und zu allem entschlossen in die Kantine schoss. Stinkender Kotter strudelte auf uns zu. Der Pegel, eben noch gar nicht vorhanden, stieg in Sekundenschnelle. Wir saßen in der Falle.”
nein, da schalte ich meine für die visualisierung zuständige hirnregion dann doch lieber aus. natürlich gab es auch sehr witzige stellen und einige vortreffliche seitenhiebe. diesen beispielsweise.
“… Aber das kenn ich von Kevin, der ist genauso.”
“Kevin?”
“Mein Sohn.”
Fast hätte ich gelacht. Doch eigentlich war das gar nicht zum Lachen. Kevin! Zu der Zeit, als wir noch von dem einen und dann von dem anderen Helmut regiert wurden, da gab es nur einen Kevin - der war Fußballer aus England, hieß Keegan und hatte eine unglückliche Liebe zum Gesang. Heute sind die Helmuts Pflegefälle, und wir werden von einer Angela regiert, die es liebt, ihre Auftritte mit der Rolling-Stones-Nummer “Angie” zu garnieren, obwohl die Stones dagegen protestiert haben. Und wenn Angie alt und faltig ist, werden wir von Kevins regiert werden, von einem Bundeskanzler Kevin und seiner Frau Jennifer, von einem Außenminister Kevin und seiner Frau Kimberly, einem Regierungssprecher Kevin und seinem Freund Kevin und einer Zonenministerin namens Mandy und ihrem Mann Maik. Und der einzige mit wirklich coolem Namen wird ein singender Fußballer sein, der Helmut heißt.
alles in allem war das buch eine kurzweilige angelegenheit, gut zum zwischendurch lesen und nicht sonderlich anstrengend. sehr empfehlenswert, wenn Sie die punkbands von damals kennen und mögen und vielleicht sogar selbst in der szene zuhause waren. ansonsten sollten Sie lieber die finger von dieser lektüre lassen.
und jetzt widme ich meine aufmerksamkeit einem weiteren werk von haruki murakami. ich bin gespannt.