es ist schon fast vier wochen her, da wurde von der hochgeschätzten miss jones ein stöckchen ins leben gerufen. sie präsentierte uns die beurteilung, die einstmals in ihrem zeugnis stand. das fand ich hochinteressant und lagerte das holzteil deshalb bei mir ein, um es irgendwann zu verheizen. heute ist es so weit.
am ende des ersten schuljahres wurde folgendes über mich geschrieben.
S. arbeitet fleißig, zielgerichtet und gewissenhaft. Sie ist aktiv, sehr selbständig und verläßlich. Sie arbeitet bei der Anfertigung ihrer Aufgaben sinnvoll und sauber. Ihre Mitarbeit im Unterricht hat sich im Laufe des Schuljahres immer mehr verbessert. Sie ist sehr verträglich, hilfsbereit und einsatzfreudig.
nach der sechsten klasse sah das ganze so aus.
S. lernt planvoll und bewußt. Sie strebt stets nach sehr guten Lernergebnissen. Dem Unterrichtsgeschehen folgt sie konzentriert. Dabei sollte sie mündlich aber noch reger und selbständiger mitarbeiten. Schriftliche Arbeiten fertigt sie überlegt, zügig und mit größter Peinlichkeit an.
Mit viel Einsatzbereitschaft unterstützt sie leistungsschwache Schüler beim Lernen.
S. äußert offen, ehrlich und kritisch ihre Meinung, die sie auch vertritt.
Als Schriftführer arbeitet sie im Gruppenrat selbständig. Am gesamten außerunterrichtlichen Geschehen ist S. regelmäßig aktiv beteiligt.
S. erhält die Urkunde “Für gutes Lernen in der sozialistischen Schule”.
die schulnoten erspare ich Ihnen jetzt lieber. die sind nämlich fast schon peinlich. schön, dass durch die verkettung glücklicher umstände doch noch ein vernünftiger mensch aus mir wurde.
und nun möchte ich wissen, wie der herr stard sich damals in der schule benommen hat. und natürlich die frau tok, weil sie neulich so laut nach stöckchen geschrien hat.
Hach, wie schön! Diese Grundschulzeugnisse fand ich immer richtig klasse, nur dass meine nach dem Einbruch im Keller leider auf Nimmerwiedersehen weg sind… *schnüff*
Aber so kann ich wenigstens noch bei Ihnen stöbern.
Aaaaaalso. Meine Zeugnisse sind nicht bei mir, sondern bei meinen Eltern und da gehören sie auch hin.
Aber in der Grundschule war ich immer eine Musterschülewrin. Nur mit den anderen Schülern kam ich nicht klar.
(Aber das ist ja jetzt noch immer so. *höhö*)
@bina: so ein mist, die zeugnisse waren also auch dabei. haben Sie mal bei den schulen nachgefragt, ob die davon kopien haben?
@tokbela: das sind doch Ihre zeugnisse! warum gehören die denn zu Ihren eltern?
eine musterschülerin war ich auch, sogar bis ganz zum schluss. ich brauchte allerdings auch nicht viel dafür tun. zwei-, dreimal durchlesen, im kopf auf speichern drücken, fertig. es gab nur wenige dinge, die ich intensiv lernen musste.
Die gehören allein schon traditionsgemäß zu meinen Eltern, die haben auch den größeren Aktenschrank. Bei mir hätte ich Angst, dass diese Perlen pädagogischer Einschätzung spätestens beim nächsten Umzug ins Nirvana verschwinden (:
(Aber meine Geburtsurkunde ist bei mir. Immerhin.)
Den Satz “Dabei sollte sie mündlich aber noch reger und selbständiger mitarbeiten.” finde ich sehr hübsch!
@tok: die geburtsurkunde MUSS bei Ihnen sein. wie wollen Sie denn sonst nachweisen, dass Sie wirklich geboren wurden und nicht nur ein illegal gezüchteter klon sind?
@ede. die mündliche mitarbeit wurde inzwischen wesentlich verbessert. ach, was rede ich da, sie wurde perfektioniert
[…] Heute Bewertungsgespräch gehabt. Richtig gut abgeschnitten, klingt allerdings ein bisschen wie damals, in der Grundschule. Am Besten gefällt mir der Satz: "Ihr Arbeitsplatz ist gut organisiert und sie behält stets den Überblick." […]