aus anna gavalda’s “zusammen ist man weniger allein”
Er nahm seine Rolle sehr ernst und hielt ihr einen ganzen Vortrag. In schulmeisterlichem Ton pries, beurteilte und verglich er die Vorzüge von Ventilatoren, Heizstrahlern, Infrarotgeräten, Keramikheizkörpern, Ölradiatoren und Konvektoren. Davon bekam sie einen Drehwurm.
“Und was nehme ich jetzt?”
“Tja, da müssen Sie mal sehen.”
“Aber, das ist es ja. Ich sehe gar nichts.”
“Nehmen Sie einen Ölradiator, der ist nicht so teuer und heizt gut. Der Oléo von Calor ist nicht schlecht.”
“Hat er Rollen?”
“Eh …” er zögerte und überflog die technischen Daten. “Mechanischer Thermostat, aufwickelbare Geräteschnur, einstellbare Leistung, integrierter Luftbefeuchter, blablabla, Rollen! Ja, Mademoiselle!”
“Super. Dann kann ich ihn zu mir ans Bett stellen.”
“Hm … Wenn ich mir diese Bemerkung erlauben darf. Wissen Sie, ein Mann ist auch nicht schlecht. Im Bett wärmt er ganz schön.”
“Ja, aber er hat keine aufwickelbare Geräteschnur …”
“Das wohl nicht.”
Er lächelte.
am ende entscheidet sich camille für einen künstlichen kamin, vor dem sie ein paar seiten weiter mit ihrem seltsamen nachbarn philibert marquet de la durbellière ein russisches picknick zelebriert.
ich wurde nicht vom blitz getroffen und auch nicht von irgendwelchen herumfliegenden teilen erschlagen. ich habe mir keine blauen flecken gehauen und blieb auch von sonstigen verletzungen verschont. es war eigentlich ein ganz normaler tag, auch wenn es ein freitag und gleichzeitig der dreizehnte war.
wobei, so ganz richtig ist das nicht. ein kleines päckchen ist heute nämlich bei mir gelandet. darin lag eine DVD mit walter-moers-hörbüchern und zwei seiten mit vielen lustigen bildchen und noch mehr lieben worten. jetzt wollen Sie bestimmt wissen, wer mir damit eine riesige freude bereitet hat. die frau tok war das. und dafür bekommt sie ein ganz dickes DANKE von mir. ich bin schon sehr gespannt auf die geschichten und darauf, ob sie mein einschlafproblem beseitigen können.
freitag der dreizehnte bedeutet also nicht automatisch pech und unglück. so ein tag kann auch richtig gut werden. der vorige freitag, der auf einen dreizehnten fiel, war übrigens im januar. an den erinnere ich mich noch ganz genau, weil:
mittagspause + herr S. = unvergleichlich gut
das, was Sie auf dieser zeichnung sehen, das ist eine kreuzung am rande des kleinen städtchens, in dem die emily wohnt. klingt komisch, ist aber so. an der kreuzung sind nur ein paar schilder mit straßennamen zu sehen. und eins mit dem hinweis, dass für emilys straße eine durchaus berechtigte und sinnvolle geschwindigkeitsbeschränkung verordnet wurde. und eins, dass LKWs dort nur eingeschränkt fahren dürfen. und ein eingebildetes sackgassenschild gibt es auch noch.
das blaue auto ist der weiße corsa, in dem die emily drin sitzt. ich habe ihn nicht weiß gemalt, weil Sie den sonst nicht sehen könnten. außerdem träumt die emily ja von einem blauen 3er mazda mit klimaanlage und ledersitzen und vielen PS. (soll sie mal ruhig weiter träumen.) die straße, auf der die emily gerade fährt, das ist die, in der sie wohnt, eine kleine straße in schlechtem zustand, auf der tempo 30 gilt. emily ist mit dem sohn an bord unterwegs, um ihn zum training zu bringen. dazu muss sie von ihrer straße links abbiegen auf eine andere straße, die breiter ist und auf der man auch schneller fahren darf.
das rote auto ist eigentlich ein gelber twingo mit bunten streifen. ich würde mir aber lieber die finger abhacken, als ein gelbes auto mit bunten streifen zu malen. gefahren wird der twingo von einer dämlichen trulla, die ihren führerschein wahrscheinlich auf dem letzten jahrmarkt an der losbude gewonnen hat. vielleicht hat sie ihn auch beim häschen totschießen als trostpreis bekommen. egal. trulla fährt geradeaus. natürlich hätte sie auch links abbiegen können. das spielt gar keine rolle. denn was hätte sie denn in jedem fall tun müssen?
wer jetzt ganz spontan antwortet: “die trulla hätte anhalten und der emily vorfahrt gewähren müssen.”, der bekommt von mir, hm, sagen wir mal, meine tiefste bewunderung.
und alle, die etwas anderes antworten und der emily genau wie die dämliche trulla die vorfahrt genommen hätten und nur durch ein gelungenes brems-und-ausweich-manöver seitens emily dem zusammenstoß entgangen wären, die bitte ich höflichst aber mit nachdruck darum, den nächstgelegenen aktenvernichter mit ihrem führerschein zu füttern.
mfg
Ihr fahrlehrer volker vollgas
sie hat es nicht geschafft.
man hat sie auf der toilette gefunden. keiner weiß, wie lange sie da lag. keiner weiß, warum sie einfach umfiel. unsere ersthelfer wollten sie zurückzuholen. vergeblich.
der rettungshubschrauber landete neben dem see. der krankenwagen kam. aber keiner weiß, ob man ihr helfen konnte.
verdammte scheiße. sie ist doch noch nicht mal so alt wie ich. sie ist so eine nette kollegin, so ein fröhlicher mensch.
mir fehlt der mut, in der klinik anzurufen.
mir fehlt sogar der mut, den herrn S. anzurufen.
ich habe angst.
gibt es eigentlich menschen, die nichts sammeln? ich kann mir das ehrlich gesagt nicht vorstellen. irgendetwas mag doch jeder so sehr, dass er mehr, mehr, immer mehr davon haben will. in allen variationen. die einen sammeln postkarten oder briefmarken oder lebkuchenherzen, manche männer sammeln frauen, manche frauen vielleicht vibratoren, und natürlich sammelt die emily auch etwas.
ich habe ganz viele pinguine. die sind aus glas, feinstem porzellan, holz, messing, plüsch, stein und so weiter. von winzig klein bis ziemlich groß. von nagelneu bis abgenutzt. von spottbillig bis unverschämt teuer. vom knuddeltier bis zum klopapierrollenhalter ist alles dabei. ich habe sie noch nie gezählt, aber es sind auf jeden fall mehrere hundert. im moment liegen sie alle gut verpackt in kartons auf dem dachboden. vielleicht stehen sie ja irgendwann mal in meinem eigenen museum.
dann gibt es noch einige dinge, bei denen ich nicht direkt von einer sammelleidenschaft sprechen möchte, noch nicht, kann ja noch werden. ich liebe gelini’s gummibärchenpuzzle. ich denke ernsthaft darüber nach, in meinem alten, überhaupt nicht schönen bad eine sammelvitrine an die wand zu schrauben, in der platz für ganz viele quietscheentchen ist. im wohnzimmer steht schon so ein glasteil mit einem wilden durcheinander aus futurama, star wars und bezaubernden marilyn manson-püppchen. es gibt ja so viele dinge, die man sammeln und liebevoll aufbewahren kann. und weil heute dienstag ist und ich Sie an diesem tag immer dazu nötige, mit mir zu reden, lautet die frage diesmal:
was sammeln Sie? wofür opfern Sie zeit, platz, geld, liebe und leidenschaft?
oder so ähnlich. cola ist gerade aus, und rum ohne cola mag ich nicht. aber bis auf die eiswürfel waren alle zutaten für eine caipi vorhanden. die genieße ich gerade. hoffentlich verhilft sie mir zu einem tiefen und traumlosen schlaf.
den heutigen tag kann man, wie es manchmal so schön heißt, in der pfeife rauchen. gegen elf kam ich aus einem meeting. mein kopf tat furchtbar weh. ich war müde, weil mir die letzte nacht wieder nicht genug schlaf bescherte. in meinem postfach fand ich eine mail, mit der ich gar nicht mehr gerechnet hatte. leider stand nichts neues drin. das gleich hin-und-her-gewinde wie immer. das machte mich wütend, wirklich richtig wütend. ich wäre am liebsten aus dem büro gestürmt und zu ihm gefahren, um ihm meinen zorn ins gesicht zu schreien. habe ich natürlich nicht gemacht, sondern stattdessen gewartet, dass es besser wird und mein herz nicht mehr so aufgeregt schlägt. die antwort fiel trotzdem ganz anders als sonst aus, ohne bitte, ohne danke, ohne ein grinsendes gesicht, dafür aber auch ohne fragen, sehr nüchtern. vielleicht braucht er das. vielleicht hilft ihm das beim nachdenken.
vorhin war ich beim zeichnen. war ziemlich anstrengend, hat mich aber etwas abgelenkt. ich wusste erst gar nicht, was ich heute aufs papier bringen will. ich hatte einen spiegel dabei und entschied mich für ein portrait meines mundes. sieht wirklich hübsch aus, kann ich Ihnen diesmal aber leider nicht zeigen, weil ich das bild verschenken werde. für nächste woche habe ich mir vorgenommen, meine augen zu zeichnen. das wird richtig schwer, ist aber auch zu schaffen. meinem kopf geht es bis dahin hoffentlich besser.
den nachmittag verbrachte ich mit den kindern bei einer freundin auf dem land. wobei “auf dem land” noch ziemlich untertrieben ist. allein die straße dorthin ist schon ein echtes erlebnis. ich bin mir nicht sicher, ob zwei autos nebeneinander platz haben und war froh, dass ich das nicht ausprobieren musste. meine freundin wohnt in einem bezaubernden häuschen mit ganz viel grün und wald, einigen wenigen nachbarn, kühen und ziegen und sonst nichts um sich rum. die kinder waren draußen unterwegs und fast den ganzen nachmittag nicht zu sehen. währendessen hatten wir zeit für kaffee, frauengespräche und einen blick ins fotoalbum. man kann dort natürlich ganz wunderbar spazieren gehen, was wir bei dem traumhaften herbstwetter auch taten, mit baby im kinderwagen und einer katze, die uns fast den ganzen weg begleitete. ich habe den nachmittag richtig genossen, die plauderei, die ruhe, die sonne, dieses zum verlieben süße baby, und werde morgen sehr entspannt in die neue woche starten. Sie hoffentlich auch
ein kleiner raum, zwei bühnen und vier amateurbands, von denen ich immer noch nicht die namen weiß. das war gestern abend angesagt. eine band war ziemlich furchtbar, da konnten wir nicht mal unterscheiden, ob die deutsch oder chinesisch singen. die nächste war so - naja - man hätte darauf verzichten können. und die beiden anderen truppen, die haben gerockt. einhundert prozent. bei denen hatten wir doch sehr viel spaß und haben gesungen, getanzt und gelacht. auffällig war, dass die meisten der anwesenden den ganzen abend nur in der gegenstand rumstanden, einen gelangweilten eindruck machten und uns den sauerstoff wegatmeten. dabei schauten sie uns auch noch etwas verwirrt an, wahrscheinlich, weil wir so gut drauf waren. einhundert prozent. vielleicht aber auch, weil ich optisch nicht so ganz zu dieser veranstaltung passte
egal. der laden leerte sich gegen mitternacht zusehendst. wir zogen weiter und landeten im “drop”. nach einer halben stunde war mir das dort aber zu langweilig. ich fuhr nach hause. und gerade als ich aus dem auto ausstieg, kommt eins meiner nachbarsmädels. mit der habe ich noch ein wenig rotwein geschlüft, den kindern die schokolade weggefuttert und gequatscht bis vier uhr früh. und jetzt schwirren einhundert prozent in meinem kopf rum. ”wenn du etwas haben willst, dann gib einhundert prozent. dann bekommst du es auch.” das sagt sie nämlich immer, und da könnte was dran sein.
heute steht eine etwas andere samstag-abend-unterhaltung auf dem programm. die mädels und ich werden die nächsten stunden im kleinkunstverein des städtchens verbringen. vier ortsansässige bands spielen da. ich kenne keine davon und bin sehr gespannt, was da auf uns zukommt. vielleicht wird es ja richtig gut. und wenn nicht, dann sind in der nähe noch genug bars, die nur darauf warten, von uns überfallen zu werden.
die haare sind frisch geschwärzt, das make-up sieht klasse aus, mein kleidchen passt irgendwie besser als das letzte mal, und die stiefelchen sind schon ordentlich geschnürt. als ich mich gerade noch mal im spiegel betrachtet habe, ist mir außer “emily, du siehst wieder mal hinreißend aus.” nichts anderes eingefallen 
ich wünsche Ihnen, egal was Sie heute abend tun, viel spaß dabei. kommen Sie gut durch die nacht.